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Der Voodoo hat den Häf’n-Blues in der Kirche

Sie lachen. Sie klatschen. Sie fordern lautstark "Zugabe!", trampeln mit den Füßen. Voodoo Jürgens, der hagere Strizzi unter den heimischen Liedermachern, hat das Publikum fest im Griff. Wieder einmal. Er grinst verschmitzt und schnappt sich die akustische Gitarre. Gemeinsam mit seiner Begleitband, der fünfköpfigen "Ansa Panier", singt er noch eine allerletzte Nummer: ein uraltes Wienerlied namens "Die Wööd Is A Wolf", das er auf einer längst vergriffenen Andre-Heller-Platte für sich entdeckt hat. Dass Voodoos in breitem Wienerisch gesungenen G’schichtln, Schnurren und Moritaten derart gut ankommen, ist bei diesem Auftritt keine Selbstverständlichkeit.
Die zirka 50 Konzertbesucher sind nämlich keine Fans des Mannes, der mit seiner Debüt-LP "Ansa Woar" bis an die Spitze der österreichischen Hitparade kletterte. Sie sind allesamt Insassen der Justizanstalt Garsten, versammelt am frühen Freitagnachmittag in der kalten Gefängniskapelle. Nächste Woche kommt Bischof Manfred Scheuer zu Besuch, um mit ihnen eine Weihnachtsmesse zu feiern. Heute aber singt Voodoo Jürgens, der bürgerlich David Öllerer heißt, über Damen des horizontalen Gewerbes, Schnaps, gefährliche Peitscherlbuam und seine Kindheit in Tulln "zwischen Zuckerbude und Kadaverfabrik". Unter den wachsamen Augen eines hölzernen Jesus Christus am Kreuz und jenen von etlichen bewaffneten Justizwachebeamten, die Wache schieben.

Auf den Spuren Johnny Cashs
Eingeladen auf den Spuren von Johnny Cash und dessen legendären Gastspielen in San Quentin und Folsom zu wandern, hat Voodoo Georg Kamptner, der umtriebige Seelsorger der Haftanstalt. Dieser organisiert in Zusammenarbeit mit der Kulturinitiative "drinnen & draußen" und der Unterstützung von Anstaltsleiter Major Christian Neubauer mehrmals im Jahr Konzerte für die rund 400 Insassen. So traten etwa bereits Konstantin Wecker, Franz Posch und Wanda in dem um das Jahr 1630 als Teil des aufgelassenen Stiftes Garsten erbauten Saal auf. "Unser Saal ist eine wilde Mischung aus Kirche und Rumpelkammer – und verströmt daher auch eine ziemlich spezielle Atmosphäre", sagt Kamptner.
Nicht jeder der Freiheitsstrafen zwischen 18 Monaten und "lebenslang" verbüßenden Häftlinge darf an diesen Konzerten teilnehmen. Gewaltbereite und "schwierige" Insassen sind ausgeschlossen, der Rest kann sich in eine Liste eintragen lassen. Jene die sich für den Auftritt von Voodoo Jürgens angemeldet haben, bilden eine inhomogene Gruppe: Junge und Alte, einheimische und ausländische Häftlinge, manche im Polo-Hemd, andere dagegen im Trainingsanzug. Ein Häftling klatscht Voodoo vor Konzertbeginn euphorisiert ab, das Gros wartet aber auf Holzsesseln sitzend mit Skepsis ab, was ihnen musikalisch serviert wird. Es dauert zwei, drei Songs bis der 34-jährige Voodoo mit seiner Combo die Herzen der Zuhörer erobert, mit dem Talking-Blues "Drei Gschichtn ausn Cafe Fesch" bricht endgültig das Eis. Bei den Textzeilen "Die Bim fohrt noch Simmering/ I kauf da an Fohrschein /I brich da des Gnack Und du steigst in dein Sorg ein!" grinst der halbe Saal wissend. Der Hit "Heite grob ma Tote aus" wird ebenso bejubelt wie "Weh au Weh", "Nachbarskinder" und die Orsolics-Hommage "Hansi der Boxer".
Nach einer Stunde verschwindet Voodoo Jürgens von der Bühne, verschwitzt und glücklich. "Es war echt cool. Definitiv die ungewöhnlichste Location, in der ich jemals aufgetreten bin", sagt er zu den OÖN. Wenn er die Insassen für kurze Zeit aus ihrer Tristesse reißen haben könne, sei er zufrieden. Jürgens weiß, wovon er singt. Als er sieben Jahre alt war, landete sein Vater im Gefängnis. In Garsten spielte er auch für ihn. (Lukas Luger, ON, 16.12.2017)

HEARTS HEARTS und CATASTROPHE and CURE
Musik, die nicht besser in die Anstaltskirche von Garsten passen hätte können. Hearts Hearts (David Österele, Daniel Hämmerle, Johannes Mandorfer und Peter Paul Aufreiter) mit ihren weichen, dichten, melancholischen Songs eroberte in kürzester Zeit die Herzen der (mehr als 200) Besucherinnen. Catastrophe and Cure legten nach der Pause an Tempo und Lautstärke drauf. Hier merkte man das Wiedererkennen beim Publikum. Johannes Eder, Raphael Rameis, Patrik Steinhuber, Lukas und Sebastian Kargl und der Drummer Max Atteneder, sind in Steyr keine Unbekannten, gehören sie doch zu österreichs Pop Spitze. Sie begeisterten nicht nur das Abendpublikum, sondern auch die fast 70 Häftlinge beim Mittagskonzert.

Danke auch an die Technik Felix und Patricia



ALMA spielte und sang sich in die Herzen
Über 250 BesucherInnen kamen zu der Veranstaltung von „drinnen und draussen“ am Abend des 1. April in die Justizanstalt Garsten. Sie leisteten mit ihrem Eintritt einen Beitrag zum „Mittagskonzert“, das traditionell für die Insassen der Anstalt am gleichen Tag, am gleichen Ort gegeben wird. Über 80 Männer, soviel, wie noch nie, kamen und ließen sich von den schwungvollen und musikantischen Liedern und Tänzen der fünf jungen VollblutmusikerInnen mitreißen. ALMA bietet Volksmusik mit modernen Arrangements, schrägen Harmonien und Musikinstrumenten, vom Pascher zum Jodler, bis zu innwendigen Volksliedern. So entstand auch am Abend eine fast feierliche Stimmung, die die Besucher zu viel Applaus und Standing Ovationen veranlasste. Danke ALMA - im spanischen bedeutet der Name "Seele"!!!!!

Julia Lacherstorfer, Evelyn Mair, Marie-Theres Stickler, Matteo Haizmann und Marlene Lacherstorfer bei der Begrüßung der Häftlinge beim Mittagskonzert um 12.30 Uhr.

 

WANDA: "Ihr verstehts uns" - "Wir freuen uns sehr, dass wir endlich mal vor anständigen Leuten spielen!" Damit legte Marco Wanda und seine Band vom Anfang an die Beziehungsschiene zu den Häftlingen beim Konzert am 6. Februar 2016. Standing Ovations waren das Ergebnis dieses einstündigen Konzerts vor intimen 80 Insassen. Die Band WANDA spielt inzwischen nur vor ausverkauften Häusern, deren Fassungsvolumen weit über tausend reicht. So waren auch die am Abend gekommen Fans glücklich eine Karte für das am schnellsten ausverkaufte Konzertereignis in der Geschichte von "drinnen und draussen" ergattert zu haben. Der Funke flog auch am Abend sofort über und gemeinsam zählte man zum Ende „Eins, zwei, drei, vier! Es ist so schön bei dir! Fünf, sechs, sieben, acht! Ich bleib‘ die ganze Nacht!"

 

 

Insassenkonzert am 5. November 2015 vor über 100 Personen. - höchst professionelle Darbietung der Band und der Trommelgruppe! Auch zum Mittagskonzert kamen annähernd 100 Personen - ein neuer Rekord!

Agnes Palmisano und ihre musikalischen Begleiter Helmt Stippich (Knopfharmonika und Stimme) und Daniel Fuchsberger (Kontragitarre und Stimme) musizierten am 8. mai 2015 vor 150 Personen. - Unvergesslich!

Vocalensemble LALÁ ( 5.12.2014)

Ilia Vierlinger – Sopran
Julia Kaineder – Mezzosopran
Johann Reiter – Tenor
Mathias Kaineder – Bass, Beatbox

Das Mittagskonzert am 5.12.2014 bestritt, der aus Schwanenstadt stammende Musiker Bernhard Reider

 

STRIZZILIEDER

Adi Hirschal und das „Samtorchester“
Keyboards:
Wolfgang Tockner
Gitarre: Andy Cutic
Schlagzeug: Lennie Dickson
Kontrabass: Alexander Lackner/Bertl Pistracher

(24.10.2014)

Zwischendurch und ohne große Öffentlichkeit spielen unterschiedliche Musikgruppen für die Häftlinge Konzerte. Am 21.3.2014 eine Formation aus Freilassing unter der Leitung von Bernhard Schmähl, dem Kulturstadtrat von Freilassing. Die Verbindung mit dieser Stadt wurde auf Anregung des Künstlers Josef Wintersteiger geknüpft.

 

Das Catch-Pop String-Strong Duo sind Jelena Popržan und Rina Kaçinai.
Bei uns werden sie unterstützt von Paul Schubert am Akkordeon. (13.6.2013)

 

 

"Sir" Oliver Mally`s Blues Distillery (4.10.2013)

 

 

Franz Posch (14.06.2013)

"Sündenfilter"
Die Kunst, das Unscheinbare zu sehen
2.3.2013
Josef Wintersteiger in der Pfarrkirche und in der Justizanstalt
Garsten

Einen nachdenklichen Abend in der Fastenzeit bereitete uns die Kulturinitiative „drinnen&draußen“ mit der Vernissage „Sündenfilter“ am 2. März in der Pfarrkirche. Der Restaurator und „Aufheber“ Josef Wintersteiger, ein gebürtiger Garstner, ordnete aus seinem Fundus 7 Objekte und Objektgruppen zu einem einzigartigen Sünden-Parcours im Mittelgang der Stiftskirche. Beginnend mit dem namengebenden Sündenfilter aus einem Abwasser-Kanal-Deckel – große Sünden brauchten auch massive Filter, so der wortwitzige Künstler. Sieben Saustalltüren mit eisernen Beschlägen beschrieb er mit Kreide und gab ihnen die Namen der in Vergessenheit geratenen Todsünden, um bei der Vernissage noch eine achte hinzuzufügen – die Humorlosigkeit. Ein original Sündenkasten aus der vorreformatorischen Zeit bildet eine besondere Seltenheit. Hatte doch der damit verbundene Wucher des Ablasshandels zur Abspaltung der Evangelischen Kirche geführt. An einem Spiegel, der mit einem feinen Beichtgitter aus der Barockzeit versehen ist, sollte jeder sich selbst in den Spiegel schauen können, um dann von den sieben letzten Worten des Erlösers am Kreuz erfasst zu werden – ein spätgotischer Korpus aus Spanien, den der Restaurator liebevoll wieder hergestellt hat. Dazu musizierte der Ausnahmeposaunist Bertl Mütter, ein Steyrer Musiker, Komponist und Autor, der in eindrucksvoller Weise die Kunstwerke interpretierte und in die Tiefe führte. Über 150 Besucher dankten es den Künstlern und den Organisatoren, Georg Kamptner und Erich Aufreiter mit langanhaltendem Applaus. Die Ausstellung übersiedelt am Palmsonntag in die Anstaltskirche, wo für die Insassen diese Vernissage im Rahmen des Gottesdienstes wiederholt wird -ganz im Sinne der Veranstalter für drinnen und draußen.

 

„dass die Leute draußen sehen, dass wir hier drinnen uns mit solchen Dingen beschäftigen“
Künstler M. aus der Justizanstalt Garsten

VERNISSAGE - Kunst von Garstner Häftlingen
an der HLW-Steyr, Leopold Werndl-Straße 7, 4400 Steyr

Sechs Häftlinge aus der Justizanstalt Garsten fertigten bei einem Malworkshop mit dem Steyrer Künstler Robert Moser eine Reihe großformatige Bilder an. Diese Werke werden nun in Abwesenheit der Künstler (die meisten von ihnen haben noch einige Jahre abzusitzen) bei einer Vernissage in der HLW Steyr am 31. Jänner 2013 präsentiert. Der Kulturverein "drinnen und draußen" bemüht sich ja seit einigen Jahren durch solche Aktionen und Konzertveranstaltungen eine Brücke des Verstehens und der Aufmerksamkeit zwischen den beiden Welten zu bauen.
Bei einem Zusammentreffen mit den Häftlingen im Vorfeld, wurden die Bilder gemeinsam besprochen. Die Maturantin Viktoria Weixlbaumer war beeindruckt vom hohen künstlerischen Können und von der freundlichen Aufnahme in dieser rauhen Umgebung. Einige der "Künstler" kommen aus dem Bereich der Tätowierung und bewiesen auch mit dem Pinsel oder den Farbstiften ihr Können. Die Häftlinge schätzten nicht nur die Abwechslung beim Workshop, sondern auch den Zuspruch und die Anregungen, die sie von Robert Moser erhielten.
Freuen sie sich auf eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Bilder, die auch zum Kauf angeboten werden. Die Veranstaltung beginnt um 18.00 Uhr, ist öffentlich und frei zugänglich. Musik, Brötchen und Getränke runden diesen Kunstgenuss ab. Die Ausstellung ist in Folge bis 1. März täglich während der Unterrichtszeiten zu besichtigen. Auf Wunsch gibt es auch Führungen von der Projektleiterin Viktoria Weixlbaumer. Hier auf dem Foto mit Robert Moser und dem Organisator Erich Aufreiter.

Konstantin Wecker und Pianist Jo Barnikel (19.10.2012)

 

 

Martin Grubinger (13.04.2012)

und sein Ensemle beigeisterte über 350 Besucher in der Anstaltskirche mit seinem Konzert, das er am Tag zuvor in der Berliner Philharmonie abspielte. Weil das Konzert mit den Insassen aus terminlichen Gründen nichts geworden ist, kommen die Musiker am 15. Juni noch einmal, um dieses Versäumnis nachzuholen. Diese Veranstaltung wurde auch vom bayrischen Rundfunk aufgezeichnet und in Klickklack gesendet.

 

Frei(ge)lassen
Die Garstner Initiative „drinnen und draußen“ bringt Bewegung und Begegnung nach Freilassing/Deutschland.
Nachdem der Aufheber und Restaurator Josef Wintersteiger die Idee hatte zur Garstner Kunstaktion in der Justitzanstalt auch Freilassing (alleine das Wortspiel hat diese Begenung angeregt) einzuladen, kommt es jetzt zur Gegeneinladung. Die rührige Kunstfotografin und Kulturredakteurin Gisela Brechenmacher, sie hatte einige Werke hier in Garsten gezeigt und der Kulturstadtrat Bernhard Schmähl laden zur Veranstaltungsreihe „Frei(ge)lassen“ – der Weg in die Freiheit von 7. bis 9. Oktober 2011 nach Freilassing.
Am Freitag um 19 Uhr findet die Vernissage in der Fußgängerzone statt. Auf dem symbolischen „Weg in die Freiheit“ werden kreativ gestaltete Damen- und Herrenschuhe in unregelmäßigen Abständen platziert. Die kunstvollen Modelle dafür wurden von Insassen der  JVA- Lebenau, der Caritas- Suchtambulanz und der Justizanstalt Garsten gefertigt. Alles beginnt mit dem ersten Schritt! Der Grundgedanke ist dabei, dass der Mensch auf seinem „Weg in die Freiheit“, von seinen Füßen/Schuhen in eine (hoffentlich) farbenfrohe Zukunft getragen wird. Bei der Lokwelt hört der symbolische Weg jedoch nicht auf. Von dort führen Schienen und die Drehscheibe in verschiedene Richtungen, die Züge transportieren den Menschen in weiterer Folge dorthin, wohin sein Ziel ihn führt.
Die Lokwelt, das kulturelle Zentrum Freilassings wird dann auch Austragungsort der Ausstellung sein an der namhafte KünstlerInnen der Region teilnehmen. Als Gastbeitrag wird Josef Wintersteiger einige neue Objekte zeigen, die direkt auf das Thema mit humorvollem Hintersinn reagieren. Sogenannte „Sündenfilter“ werden zu sehen sein und „schiefes Licht“. Die Fahrt von Steyr nach Freilassig dauert nur eineinhalb Stunden – es wird sich lohnen.

Bei der Besichtigung der Lokwelt in Freilassing Josef Wintersteiger, Gisela Brechenmacher, Georg Neuhauser, Georg Kamptner, Sabine Sandberger und der Bürgermeister von Freilassing Josef Flatscher (v.l.n.r)

Spring String Quartet (4.11.2011)

 

 

Willi Resetarits und die Stubenblues (3.6.2011)

 

 

Erika Pluhar und Klaus Trabitsch (25.3.2011)

Ein Gruppenfoto, das auch die Mitarbeiterinnen (Schülerinnen der HLW) hinter der Bühne zeigt.

 

Auftaktveranstaltung 15.5.2010

  KünstlerInnen

 

Das Garstner Kunstprojekt „drinnen/draußen“ angedacht von Gerog Kamptner und Georg Neuhauser in Zusammenarbeit von Gemeinde Garsten Bürgermeister Anton Silber und dem Leiter der Strafvollzugsanstalt Garsten Norbert Minkendorfer, anläßlich des 50 jährigen Bestandes der Marktgemeinde Garsten. Es sollte einen Impuls setzen, der zum Gespräch miteinander einlädt und weit über das Jubiläumsjahr hinaus, aus der Koexistenz eine Kooperation für die Zukunft werden läßt. Künstlerische Interventionen haben die Eigenheit, dass sie aufhorchen lassen, aufmerksam machen, Betroffenheit erzeugen, Interesse wecken, Ablehnung und Zuordnung ermöglichen, Gesprächsstoff liefern, tiefgreifende Veränderungen  im Denken, manchmal auch im Handeln bewirken, … alles Wunsch-vorstellungen für eine gut funktionierende Gemeinschaft und Gesellschaft. Moderne zeitgemäße Kunst regt dazu an und ermöglicht es, über das Intellektuelle hinaus, weil es umfassend anspricht und ausspricht was sein soll und sein könnte.
Garsten ist seit Jahrzehnten geprägt von dem Miteinander von Menschen, die in Freiheit draußen leben und Menschen, die durch ihr Verschulden, drinnen in Unfreiheit leben. Diese Tatsache künstlerisch zu beleuchten ist interessant und reizvoll. Dahinter aber auch die eigene Unfreiheit und die zugestandene Freiheit zu ergründen, dem Unverhältnis von innen und außen nachzuspüren ist ein weiterer Schritt in ein besseres Verständnis von sich und den anderen.
Besonders bedacht sollte auch werden, dass schon im künstlerischen Prozess dieses Miteinander angesprochen wird. Häftlinge und die Garstner Bevölkerung sind eingeladen an den verschiedenen Interventionen „handgreiflich“ dabei zu sein. Nur so entsteht Verständnis füreinader. Einrichtungen und Räumlichkeiten werden nachhaltig zu Flächen und Räumen der Begegnung. Angeknüpft soll dort werden, wo es Berührungspunkte gibt, Offenheit besteht und Miteinander schon versucht wurde. (z.B. Konzerte in der Justitzanstalt, Nutzung von Räumlichkeiten innerhalb der Vollzugsanstalt, …)

12 KünstlerInnen haben bisher ihre Zusage gegeben, sich mit Konzepten und Werken an dieser Arbeit zu beteiligen.
8 KünstlerInnen (mitgerechnet ist die Gruppe der Insassen mit Sabine Sandberger) haben Konzepte ausgearbeitet und beteiligen sich an der Aktion „drinnen-draußen“, die am Sa 15. Mai 2010 von 10 – 12 Uhr in der Justitzanstalt Garsten stattfinden soll.

Die Marktgemeinde Garsten mit Anton Silber tritt als Veranstalter auf. Kuratiert und organisiert wird die Aktion von Erich Aufreiter in Zusammenarbeit mit Georg Neuhauser und Georg Kamptner, der Gefängnispsychologin Sabine Sandberger und der Anstaltsleitung Norbert Minkendorfer.

Das Gruppenbild zeigt von links nach rechts: den Kulturstadtrat von Freilassing Bernhard Schmähl, den Autor Rudolf Habringer, Bernadette Huber, Künstlerin Brigitte Lumpi aus Freilassing, Georg Neuhauser, Sabine Sandgruber, Erich Aufreiter, Walter Ebenhofer, Robert Moser und die Fotografin Gisela Brechenmacher aus Freilassing.

Zu den einzelnen Projekten:

Sabine Sandgruber und das
Theaterkollektiv "Ruhestörung" der Justizanstalt Garsten

Die Musterzelle
In einer nachgebauten Zelle inmitten des Innenhofes der Justizanstalt Garsten ziehen vorübergehend zwei Insassen ein, um so der Öffentlichkeit eine Idee vom Zusammenleben in Haft zu geben. Gewohnt an die Einschränkung persönlicher Freiheiten und an die tägliche Überwachung laden sie die Gäste trotz Aufforderung „nicht zu stören“ ein, einen Blick auf sie zu werfen. Oder vielleicht doch umgekehrt? Wer beobachtet da wen? Wer ist drinnen und wer ist draußen?

Intervention: Manchmal braucht es mehr als einen Blick um Einblicke zu gewinnen.

"Innenansichten" (Film)
Die Theatergruppe „Ruhestörung“ der Justizanstalt Garsten rund um Sabine Sandberger wurde bereits 1999 ins Leben gerufen. Bis dato wurden zahlreiche Stücke und Kurzstücke auf der hausinternen Bühne aufgeführt und einer Öffentlichkeit zugängig gemacht. Im Jahre 2008 entstand der erste Kurzfilm mit dem Titel „Innenansichten“. Darin reflektieren zehn Männer, die zum damaligen Zeitpunkt im Gefängnis Garsten inhaftiert waren, über ihr Leben hinter Gittern und versuchen den Menschen da draußen, Einblicke in Ihren Gefängnisalltag zu geben.

Interention: Das Innere nach Außen zu kehren ist oft nur hinter einer Maske möglich.

 

Reinhold Rebhandl
In seinem Konzept geht es um die Darstellung paralleler Welten. Ein Fernseher eines Häftlings ist mit einem Fernseher in einer Auslage im Ort gekoppelt. Man sieht das gleiche Programm wie der Häftling. Die technische Machbarkeit wird von der Firma Wild bereitgestellt. (Wurde nicht realisiert)

Moser Robert „Benedikt“
BENEDIKT ist eine Intervention im öffentlichen Raum, die zwischen drinnen und draußen, zwischen Gefängnis und Freiheit dialogisch wirken soll.

Ort: Raiffeisenbank Garsten (wurde leider nicht ausgeführt)
Material: Ein Beichtstuhl

Ein Beichtstuhl aus dem ehemaligen Klosterbereich, dem heutigen Gefangenenhaus Garsten, wird hinaus in den profanen Bereich der Marktgemeinde Garsten gebracht und als temporäre Installation in der Raiffeisenbank aufgestellt. So kommt es zu einer Verknüpfung von Gefangenenhaus, ehemaligem Kloster und Gemeinde.

BENEDIKT leitet sich ab vom lateinischen Verb benedicere, das gut reden, schön reden, richtig reden, anständig reden bedeutet und im übertragenem Sinn segnen, weihen, rühmen meint. Benedicere bedeutet das Gegenteil von maledicere, das schmähen, lästern, verfluchen, verwünschen heißt.  …
Die Arbeit ist von Dr. Weinwurm RAIKA Garsten leider nicht akzeptiert worden.

Markus Redl
Das Projekt ist fertig. Ein Sitzstein wurde von Redl und einem Häftling erarbeitet. Er steht zur Zeit im Innenhof der Strafvollzugsanstalt, sollte aber auch später draußen stehen, so dass jeder in Garsten sitzen kann.
Eine bleibende Installation und außergewöhnliche Erinnerung des „Sitzens“ in Garsten

Rudolf Habringer
leitete eine Schreibwerkstatt. Einzelne Texte wurden per PowerPoint am Lagerhausturm sichtbar gemacht. Texte von drinnen für draußen. (TEXTE)

Bernadette Huber
Plakataktion
Idee
„Bespielung“ von bestehenden, dem alltäglichen, flüchtigen Blick vertrauten Plakatwänden, visuelle Intervention im öffentlichen Raum auf traditionellen Werbeträgern

Realisation und Aufbau der Ausstellung
Für die Dauer eines Monats sollen für dieses Kunstprojekt schon bestehende Plakatwände entlang der Gefängnismauer (Abzweigung zum Lagerhaus) für das Kunstprojekt zur Verfügung stehen.
Die Wahl der Standorte für dieses Kunstobjekt im öffentlichen Raum bietet eine Rezeption weit über ein Kunstpublikum hinaus. Die stark frequentierte Straße am Weg von Steyr in das Ennstal wird täglich von vielen AutofahrerInnen (Einheimische und Pendlerverkehr) als Verkehrsweg gewählt, die traditionelle Werbefläche irritiert mit Kunst  …

Experimentelles Kurzvideo:
Arbeitstitel: „drinnen/draußen“
(ein work-in-progress Videoprojekt)

Die Videoarbeit „drinnen/draußen“ (Arbeitstitel) ist eine filmische Aufbereitung des Themas zur gleichnamigen Ausstellung. Aneinandergereihtes Found Footage Material, selbstgedrehte Szenen, Statements von GarstnerInnen und von Häftlingen, sowie mir möglicherweise zur Verfügung gestelltes Videomaterial (Archivmaterial, Super 8-Filmmaterial) werden im Video aneinandergereiht und in einen neuen Kontext gebracht. Durch Montage entstehen Verfremdung und Verblüffung und schaffen Wahrnehmung. …

Walter Ebenhofer
„mein fotografisches Projekt ist eine Dokumentation über das Gefängnis Garsten auf drei Ebenen und fokussiert vor allem auf
#          Einrichtungen, Maßnahmen und  Adaptierungen der architektonisch-räumlichen, historisch-baulichen Substanz zum Zwecke der derzeitigen Funktion als Gefängnis, sowie auf infrastrukturelle Einrichtungen zum Wohlergehen der Betroffenen und zur Aufrechterhaltung einer lebenswerten, menschenwürdigen Struktur.
##        die Darstellung der Äußerungen/Mitteilungen von Häftlingen an den Wänden, Tischen und Betten in Form von Piktogrammen und Inzisionen vor allem im Bereich der Absonderungszellen.
###      die Liegestatt, das Bett in möglichst vielen ausgewählten Zellen.

Die Umsetzung hängt noch an der Erlaubnis fotografisch im Gefängnis Aufnahmen zu machen.

Josef Wintersteiger
Der Steyrer Künstler, Resurator und Ansammler von Kunst mit Bodenhaftung Josef Wintersteiger ist mit zwei Projekten an dieser Kunstaktion beteiligt:

Zellteilung
Durch die Teilung einer Zelle entsteht in der Natur Leben. Dieses Naturgesetz nützend wird Wintersteiger mit einem Freigänger die Zelle für eine gewisse Zeit teilen. So wird das gemeinsame Sein, das gemeinsame Tun und Reden die Verbindung zur Welt wieder herstellen und das neue Leben vorbereiten.

Garsten - Freilassing
Der Ortsname von Garsten wird weit über Oberösterreich hinaus mit der Justizanstalt in Verbindung gebracht. Der rein phonetisch wohltuenden Verbindung mit der Stadt Freilassing im angrenzenden Bayern sollte nachgegangen werden. Gibt es Verbindungen mit der Freilassung Strafgefangener in der Vergangenheit? Könnte ein Tor aufgemacht werden, das Freigängern eine Grenzüberschreitung erlaubt?